Die Menschen

Ein grausames Verbrechen ist Ausgangspunkt einer Geschichte von menschlichen Abgründen und Sehnsüchten, von Hass, Liebe und Verlust. Der gescheiterte Rückkehrer, die verhasste Außenseiterin, der erfolgreiche Macher, der heimatverbundene Träumer, die wütende Kämpferin – und ein Mörder.

Die Menschen im Erzgebirge Krimi

Prof. Dr. Jan Berghaus: Anfang 50, Professor für Soziologie an einer großen Universität und Anhänger der Systemtheorie, einer Theorie, die ganz ohne Menschen auskommt. Das ist genau das richtige für ihn, weil er Menschen nicht mag. Sie verwirren ihn, sie regen ihn auf. Lieber beschäftigt er sich mit Strukturen und Funktionen. Er hasst es, zu unterrichten. Seine Studenten stören ihn. Er ist ein pedantischer Einzelgänger, eitel, herablassend, selbstgerecht, streitet sich leidenschaftlich. Ein banaler Vorfall vertreibt ihn zurück in seine Geburtsstadt im Erzgebirge, wo er ein verfallenes Haus kauft und ein regionalgeschichtliches Magazin gründet, das keiner liest. Doch hier kann er sich einigeln.

Dieser Fall wird alles verändern. Auf der Suche nach Antworten wird Berghaus per Anhalter durch den Süden Kasachstans trampen. Er wird sich in das Bild einer Toten verlieben. Er wird nachts vor dem Schlafzimmer einer nackten Frau lauern. Er wird einbrechen. Er wird sich die Kleinstadt zum Feind machen. Er wird sich prügeln und am Ende beinahe durchdrehen.

Alexandra „Sascha“ Berghaus:  Seine ziellose, in sich gekehrte Tochter Sascha ist die Einzige, die es mit Jan Berghaus aushält. Irgendwann stand sie mit einem Seesack vor seiner Tür und lebt seitdem auf dem Dachboden des Hauses. Doch zu sagen haben sich die beiden wenig. Nur die Geschichten, die sie gemeinsam recherchieren, zwingen sie, miteinander auszukommen. Sie müssen auf andere Menschen zugehen. Sie müssen deren Erzählungen zuhören, um zu erfahren, was damals passiert ist. Ohne Freunde aufgewachsen, fürchterlich gemobbt und sogar von ihrer eigenen Familie vergessen hat sie sich mit riesigen Tätowierungen und ihrer Kleidung ein Äußeres zugelegt, mit dem „sie sich wenigstens erklären kann, warum die anderen sie hassen.“ Bei ihrem Vater gestrandet und ohne Ziel findet sie in der Geschichte von damals eine Aufgabe.

Sascha auf Instagram: www.instagram.com/saschas.attic/

Prof. Dr. Nikola Aberlau-Berghaus: Die geschiedene Frau von Berghaus. Sie kommt im Buch nur in Berghaus‘ Erinnerungen vor – wenn er sich wundert, warum eine so kluge, schöne und erfolgreiche Frau mit ihm zusammengekommen ist.

André Berghaus: Sohn von Jan und Nikola. Nikolas Präferenzen waren klar verteilt. Klug, interessiert, sportlich, viele Freunde und Potenzial, das Lieblingskind seiner Mutter.

Stefan Wimpel: Eigentümer der WIMPEL Spezialposamenten in fünfter Generation. In seinem Wohnzimmer hängt ein großes Gemälde von Johann Wimpel, der die Firma 1860 gegründet hatte und vierzig Jahre führte. Drei Generationen folgten an der Spitze des Betriebes – Friedrich (1900-1927) – Wilhelm (1927-1946) – Kurt (1946-1972). Die enteignete Firma seiner Vorfahren hat er nach der Wende zurückbekommen und mit eisernem Durchhaltewillen wieder zum Erfolg geführt. Er setzt fort was sein Vater verloren hat: Stefan Wimpel (1991-). Darum geht es. Nur darum!

Martina Wimpel: Stefans Schwester. Nach Wunsch ihres Vaters sollte sie die Firma übernehmen, doch sie will Lehrerin werden. Ihre Herkunft und ihr Gerechtigkeitssinn hat sie bereits mit dem System in Konflikt gebracht. Sie wurde aus dem Studium geworfen und muss sich unter schwierigsten Bedingungen in der Produktion „bewähren“. 1972 verschwindet sie spurlos und wird erst viele Jahre später tot in einem alten Bergwerk gefunden.

Hans Sanddorn: Ihr Mann. Draufgänger, laut, ungehobelt, ein Aufreißer. Damit hat er sie fasziniert.

Kurt Wimpel: Vater von Stefan und Martina. Er versucht 1972 mit allen Mitteln, seine Firma vor der Enteignung durch die DDR-Behörden zu retten, doch alle Bemühungen sind vergeblich. Es ist vorbei.

Klara Wimpel: Kurts Frau. Sie hat die Enteignung stoisch hingenommen und versucht, wenigstens die Reste der Familientradition, Skizzen, Muster und Bücher zu bewahren. Die Suche nach ihrer verschwundenen Tochter gibt ihr Sinn und Kraft.

Joachim Albrecht: Einziger Mitarbeiter von Jan Berghaus‘ Magazin, dem „Gebirgsboten“. Wie die meisten in der Stadt kann er Berghaus nicht leiden, da er mit ihm zusammenarbeiten muss, ist das für ihn aber viel schlimmer. Seit zur Wendezeit die Textilindustrie zusammengebrochen ist, hat er sich mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen über Wasser gehalten.

Alfred Bräunig: Ehemaliger SED-Funktionär, der nach der Enteignung der Familie Wimpel deren Werk leitete. Hat nach der Wende ein neues Unternehmen aufgebaut und gehört wieder zu den angesehensten Bürgern der Stadt.

Renate Bräunig: Seine Frau und früher enge Freundin von Martina Wimpel

Ulrike Leistner: Wirtin des „Bergmeister“, Berghaus Stammlokal und eine Institution für die Kulturinteressierten der Stadt. Zur Wendezeit arbeitslos geworden, baute sie das Lokal mit ein paar Freunden nach und nach aus dem Schutt einer Ruine auf. Ihr Mann ließ sie sitzen, als ihre Tochter Magdalena gerade geboren war.

Thomas Leistner: Ulrikes älterer Bruder. Auch er blieb zunächst übrig, als die Industrie zusammenbrach. War danach ein paar Jahre in der Schweiz, kochte sich durch die teuren Restaurants am Zürichsee, verdiente Geld aber blieb fremd. Kehrte zurück als seine Schwester ihr Restaurant eröffnete. Er ist der Koch. Sie ist der Boss.

Annemarie Handke: Ehemalige Lehrerin, Malerin, Freundin von Ulrike. Der Künstlerkreisel im Bergmeister ist ihre einzige Familie. Sie lebt in einer winzigen Neubauwohnung mit ihren Bildern und den Bildern von all den Freunden, die schon gestorben sind.

Prof. Dr. Eugen Selke: Professur für Soziologie II und Kollege von Jan Berghaus. Berghaus ist Soziologie I, allerdings nur deshalb, weil er länger an der Universität ist. Im Gegensatz zu Berghaus ist Selke erfolgreich. Er schreibt Bücher und Aufsätze, die jemand liest. Bevölkerungsentwicklung. Demographie. Ein Thema, über das gerade alle reden. Er berät die Politik, spricht auf großen Tagungen und Veranstaltungen.

Eva Marquart: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie. Ihr Name taucht im Buch nicht auf, weil Berghaus sich in den drei Jahren, die sie schon an der Universität arbeitet, ihren Namen immer noch nicht gemerkt hat.

Franziska Wagner: Ihren Namen hat sich Berghaus sofort gemerkt. Die studentische Mitarbeiterin von Eugen Selke, attraktiv, selbstbewusst. Es ist ein Höhepunkt seines Tages an der Universität, wenn sie draußen im Flur an seinem Büro vorbeigeht.

Maxim Ossipow: Soziologe an der Universität von Almaty. Im Buch tritt er nur auf, weil Berghaus einen Vorwand braucht, um sich eine Dienstreise nach Kasachstan zu genehmigen – denn dorthin führt eine Spur. Und er braucht jemanden, der ihn in die Stadt fährt, denn Berghaus hat sich gnadenlos verlaufen.

…und ein Mörder. Oder etwas, das zurückgekehrt ist – und tötet.