Die Tatorte

Das Erzgebirge: Der Erzgebirgekrimi erzählt zuerst die Geschichte seiner Figuren und eines monströsen Verbrechens. Er erzählt aber auch die Geschichte des Erzgebirges: Kaltes Land. Tiefe Täler. Weite, leere Hochflächen. Die langen Winter, die Regenwolken und die Nebelschwaden, die sich tagelang gegen die ausladenden Berghänge pressen, verleihen dem Erzgebirge seine mystische Atmosphäre. Andererseits ist kein Gebirge dichter besiedelt. Nirgendwo sonst reichen die Städte und die Industriedörfer bis auf den Kamm hinauf und trotzen dort dem rauen Klima. Das Erzgebirge hat eine lange und pralle Geschichte. Viel Stoff für den Erzgebirgekrimi. Es hat die Menschen mit ihren Erzählungen. Es hat auch die Postkartenidyllen und das Weihnachtslandimage für das Lokalkolorit. Doch die Ruhe ist trügerisch. Hinter der friedlichen Fassade lauert der Tod. Das Böse war schon immer da.

Die Stadt: Gescheitert und unzufrieden ist Jan Berghaus in seine Geburtsstadt im Erzgebirge zurückgekehrt und hat sich dort ein altes, verfallenes Haus gekauft. Die Stadt liegt in den Bergen. Sie wird von einer gewaltigen Kirche überragt. Sie ist keine kitschige Touristenkulisse sondern eine bunte und mitunter auch raue Mischung aus alten, einfachen Häuschen mit Vorgärten, protzigen Gründerzeitpalästen und Fabriken. Sie ist ein bisschen zu groß geworden, für die Menschen, die heute hier leben. Alles in allem eine für das Erzgebirge typische Stadt, und es ist eigentlich nicht wichtig, welche es ist. Aber da am Ende des Buches einmal beiläufig ihr Name genannt wird, kann man sich auch umschauen, und wer sich umschaut, wird viele Ecken aus dem Buch wiedererkennen.

Der Tote Schacht: Es ist das letzte, was Martina sieht, der Blick nach oben durch den „Toten Schacht“ zum Himmel hinauf. Es ist unmöglich, sich an den glatten Wänden festzuhalten. Hier kommt sie nie wieder heraus. Hier wird sie sterben. Hier wird sie verschwinden. Erst viele Jahre später wird man ihre Leiche finden.

Den „Toten Schacht“ selbst gibt es nicht, aber die Gegend gegenüber der Stadt, pockennarbig übersäht von kleinen Bergbauhalden. Die Namen all dieser kleinen und großen Bergbaureste musste sich kein Schriftsteller ausdenken: Zehntausend Ritter, Galliläische Wirtschaft, Haselstaude samt Kälberstall, Freudiger St. Georg, Kalter Winter, Rotes Geschick, König Dänemark, Palmbaum. Ein „Toter Schacht“ – oder das, was von ihm übrig ist – lässt sich also leicht finden, wenn man den Beschreibungen im Buch folgt. Auf jeden Fall muss man an den Zehntausend Rittern vorbei.

Das Berghaus-Haus: Verfallen steht es in einer kleinen, steilen Gasse unterhalb einer Einkaufsstraße – das alte, kaputte Haus, das sich Jan Berghaus gekauft hat und das er – meist vergeblich – versucht, irgendwie bewohnbar zu machen. Das Haus gibt es wirklich, aber natürlich leben weder Berghaus noch seine Tochter Sascha hier. Es steht seit vielen Jahren leer. Vielleicht kommt irgendwann ein verrückter Professor mit einer irren Idee und versucht sich daran, wie das Vorbild aus dem Buch.

Das Ladenbüro: Ganz hinten in einer Geschäftsstraße hat Berghaus sein Ladenbüro eingerichtet. Die Straße findet man leicht, einfach Berghaus folgen, wenn er von seinem Lieblingsrestaurant ins Ladenbüro geht. Natürlich nimmt er immer den gleichen Weg. Dann nur doch das Haus finden, in dem in Wirklichkeit ein kleiner Kulturverein seinen Sitz hat.

Das Bergmeister: Berghaus isst immer das Gleiche, Spaghetti mit Tomatensoße. Das ist eigentlich ein Kindergericht aber er mag die Soße, und seitdem er festgestellt hat, dass er sie mag, verzichtet er darauf, sich immer wieder neu zu entscheiden. Und Wasser, Medium. Außerdem hat er sich in Ulrike Leistner verguckt, die den Laden mit ein paar Freunden wieder aufgebaut hat. Das Lokal heißt natürlich anders. Spaghetti mit Tomatensoße gibt es bestimmt.

Der Buchladen: Unterhalb der großen Kirche gibt es auch einen kleinen Buchladen, er sieht auch ein bisschen so aus wie im Buch.

Die Bergparade: Die große Bergparade kurz vor Weihnachten. Tausend Trachtenträger in bergmännischen Uniformen. In regelmäßigem Abstand eine Bergkapelle. Jedes Bergrevier hat seine typische Tracht. Die Schneeberger mit gelben Hosen, die Freiberger mit den goldenen Schulterstücken, die Blaufarbenwerker mit den blauen Schürzen, die Annaberger mit der roten Weste. Hier zeigt sich das Erzgebirge aus den Postkarten und Tourismusbroschüren. Hier zeigen sich Klischee und Seele des Berglandes zugleich. Hier endet die Geschichte.

Weihnachten: und überhaupt – Weihnachten! Tausende Lichter in den Fenstern, die Nussknacker, die Räuchermännchen, die Weihnachtspyramiden. Im Buch bleibt zwischen zwei grausamen Todesfällen zumindest einmal eine kurze Atempause, um einen Blick auf das „Weihnachtsland“ zu werfen.

Noch nicht sicher: hier noch mehr zu den Tatorten finden: www.instagram.com/saschas.attic/